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Chronik

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Hier finden Sie eine Chronik aller Produktion mit Titel, Autor, Regisseur und Premierendatum – viel Spaß beim Stöbern!

Gespielte Stücke von 1980/81 bis 1999/2000
 
Gespielte Stücke von 2000/01 bis 2009/10
 
Gespielte Stücke von 2010/11 bis 2012/13

 

Immer noch Idealisten
Frankenpost - von Andrea Herdegen - erschienen am 08.11.2010
Seit 30 Jahren gibt es das Erfolgsmodell Studiobühne in Bayreuth. Das Ensemble besteht aus Profis und ambitionierten Amateuren.

Bayreuth - Die Hauptprobe beginnt in einer halben Stunde, aber der Mann für die Bühnentechnik ist noch nicht da. "Der Flieger von Tobias ist gerade erst in Hamburg gestartet, aber er kommt so schnell wie möglich", informiert Regisseurin Birgit Franz die anderen.

Tobias Langmeyer, hauptberuflich technischer Leiter einer Software-Firma, wurde in der Hansestadt dienstlich aufgehalten. Kein Problem für seine Kollegen an der Studiobühne Bayreuth: Weil ein großer Teil der Mitwirkenden vor und hinter der Bühne ehrenamtlich tätig ist, gehört das Improvisieren dazu.

Improvisation ist Trumpf

So springt Ronald Kropf ein und macht neben der Beleuchtung auch die Abendtechnik. Teamarbeit ist ein wichtiges Prinzip an der Studiobühne. Jeder hilft, wo es gerade notwendig ist, die meisten sind vielseitig einsetzbar. So kann die Probe pünktlich beginnen.

Seit dreißig Jahren gibt es in Bayreuth die Studiobühne, die für experimentierfreudiges Theater auf hohem Niveau steht. Im Herbst 1980 begann ein Ensemble aus professionellen Theaterleuten, angehenden Profis und ambitionierten Amateuren unter der Leitung des Regisseurs Werner Hildenbrand mit einem regelmäßigen Theaterspielbetrieb in der Wagnerstadt. Inzwischen hat sich das freie Theater längst in Bayreuth und in der Region profiliert und ist aus der Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken.

Aus Freude am Spiel

"Als wir anfingen, war die Zeit der Alternativkultur, der freien Theatergruppen", erinnert sich Birgit Franz, die bereits als Schülerin mit dem Schauspiel begann. Hildenbrand, junger Regisseur und Mitwirkender des Jugendfestspieltreffens, stieß damals zufällig auf die engagierte und ehrgeizige Bayreuther Amateur-Theatergruppe, die ihr Spiel unbedingt verbessern wollte. Der gebürtige Züricher ließ sich darauf ein und blieb letztlich in Bayreuth hängen - auch, weil er sich hier sehr wohl fühlt.

Da es kein eigenes Theater in der Stadt gab, wurde die Studiobühne gegründet. Immer mehr Begeisterte trugen das Projekt mit - vor allem aus Freude am Spiel. Das neue Theater zog zuerst ins Schützenhaus und später in sein heutiges Domizil, ein altes Offizierskasino in der Röntgenstraße. "Es ist fast ein kleines Wunder", sagt der Theaterleiter über die lange Zeit des Bestehens und die gute Entwicklung, die das Projekt genommen hat.

Die künstlerische Leitung obliegt bei der Studiobühne einem Team. Bei einer Mitarbeiterkonferenz entscheidet ein Kollektiv über neue Produktionen und deren Besetzung. "Das ist sehr angenehm", berichtet Birgit Franz. Sie selbst ist nicht nur Regisseurin, sondern auch Schauspielerin, Dramaturgin und Marketingbeauftragte. "Das Vielseitige sagt mir sehr zu. Aber man muss auch sehr viel Liebe zum Theater mitbringen, denn die Bezahlung liegt unter Tarif."

Franz gehört zu den zehn Leuten, die bei der Studiobühne Bayreuth e. V. fest angestellt sind. Alle anderen knapp hundert Mitwirkenden sind ehrenamtlich tätig - vom Schauspieler über die Besetzung der Abendkasse, von der Regieassistenz bis hin zum Kulissenbauer. "Noch immer arbeiten hier hauptsächlich Idealisten. Das Wichtigste ist bei uns die Teamarbeit." Schön findet es die Regisseurin, dass jeder eigene Ideen vorbringen und die anderen damit überzeugen kann. "Vieles ist möglich. Wir wollen auch weiterhin ungewöhnliche Stücke spielen und brisante Themen aufgreifen. Von Anfang an gab's bei uns eine große Experimentierfreude." Sie ist froh, dass das Publikum auch besondere Produktionen gut annimmt. Die Auslastung der etwa 220 Vorstellungen im Jahr liegt bei 85 Prozent.

Zwei bis drei Uraufführungen gibt es jedes Jahr, das Bayreuther Theater hat eigene Hausautoren und mehrere freie Regisseure, die immer wieder hier arbeiten. Zwei Kinderstücke werden jährlich ins Programm genommen; sie sind heiß begehrt und immer schnell ausverkauft. Im Sommer werden die Freilichtbühne "Römisches Theater in der Eremitage" und das "Felsentheater zu Sanspareil" bespielt. Das Markenzeichen aber sind die Wagner-Parodien von Uwe Hoppe, die seit 28 Jahren alljährlich zur Festspielzeit aufgeführt werden.

"Ich weiß nicht, ob es etwas Vergleichbares gibt. Ich glaube unser Teamwork-Modell von Profis mit einer Riesengruppe Amateure ist in Deutschland einmalig", sagt Franz und weist darauf hin, dass auch die Ehrenamtlichen auf hohem Niveau und mit viel Leidenschaft arbeiten.

Besondere Charaktere

"Wir haben viele Talente dabei und ein großes Sammelsurium an besonderen Charakteren. Wir besetzen oft nach Typ, dadurch sind unsere Schauspieler sehr authentisch auf der Bühne", lacht sie. Es gebe auch keine Verträge mit den Amateurmitspielern, alles laufe auf Vertrauensbasis. "Wir sind inzwischen etabliert und stehen für hohe Qualität. Diesen Anspruch wollen wir halten und noch weiter daran arbeiten", betont die Theatermacherin.

 

 

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